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  Presse >> "Es muss nicht immer Abitur sein"

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EIN THEMA, ZWEI MEINUNGEN
Annegret Greipel-Bickel und J├╝rgen Behlke
├╝ber den schwierigen Weg in den richtigen Beruf


Paderborn. 29 Prozent der bundesdeutschen Betriebe konnten 2013 nicht alle Ausbildungspl├Ątze besetzen, Tendenz steigend. In Umfragen sieht jeder zweite Betrieb Handlungsbedarf. Besonders kleine Betriebe haben Probleme. Viele klagen auch ├╝ber unzul├Ąngliche Ausbildungsreife und w├╝nschen sich eine bessere Berufsorientierung. Andererseits: 50 Prozent eines jeden Jahrganges und auch 40 Prozent der Gesamtsch├╝ler machen Abitur, Tendenz ebenfalls steigend. Dazu kommt, dass Gesamtschulen immer h├Ąufiger Haupt- und Realschulen ersetzen. Doch was k├Ânnen Wirtschaft und Schulen tun, um junge Menschen auf den f├╝r sie richtigen Weg zu bringen? Dar├╝ber sprachen Annegret Greipel-Bickel, Leiterin der Gesamtschule Elsen und Sprecherin der Gesamtschulen im Hochstift Paderborn, und J├╝rgen Behlke, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Industrie- und Handelskammer, Zweigstelle Paderborn H├Âxter, mit NW-Redakteur Hans-Hermann Igges.

Laut Bertelsmann-Stiftung gilt Studieren inzwischen als der Normalfall. Woran liegt das?

Annegret Greipel-Bickel: Eltern wollen das f├╝r ihre Kinder. Nur ein verschwindenderer Teil geht mit sich und der eigenen Familiengeschichte anders um und ist offen. Das ist schon in der Grundschulzeit begr├╝ndet. Empfehlungen f├╝r Real- oder Hauptschule werden von Eltern als Katastrophe empfunden.

Herr Behlke, die Wirtschaft hat sich aber doch noch vor ein paar Jahren mehr Akademiker gew├╝nscht. Warum jetzt nicht mehr?

J├ťRGEN BEHLKE: Die Wirtschaft braucht nach wie vor gut ausgebildete Akademiker. Allerdings hat sich dieser Bildungsweg, verbunden mit dem Wunsch nach einem ├╝berdurchschnittlichen Einkommen, zu sehr in den K├Âpfen besonders der Eltern festgesetzt. Mit einer Abiturquote von 50 Prozent und demn├Ąchst vielleicht noch mehr werden auch immer mehr junge Leute Hochschulen besuchen. Und ein Studium aufnehmen, f├╝r das viele vielleicht gar nicht geeignet sind. Wir werden so viele Hochschulabsolventen gar nicht in den Leitungspositionen der Wirtschaft unterbringen k├Ânnen. Stichwort Bachelorisierung der Sachbearbeitung.

Was ist dagegen zu sagen, dass auch Sachbearbeiter Abitur haben?

GREIPEL-BICKEL: Gar nichts! Sachbearbeiter mit einem hohen Ma├č an Sach-und sozialer Kompetenz k├Ânnen in unserer Gesellschaft nur von Vorteil sein.

BEHLKE: Moment. Gerade im Sachbearbeiter- bzw. Facharbeiterumfeld gibt es die Chance, ganz betriebsnah jemanden zu bekommen, der genau f├╝r diese Aufgabe geeignet ist. Die Anforderungen an sich steigen sowieso. Mit Studium ist dann aber jemand Sachbearbeiter mit einer Ausbildung, die er an dieser Stelle gar nicht braucht. Das hei├čt: 80 Prozent der Investitionen in diese Ausbildung, dieses Studium, sind v├Âllig umsonst.

Wie sollte man also gegensteuern?

Greipel-Bickel: Ich k├Ânnte mir vorstellen, dass Anfang der Jahrgangsstufe 9 dieses Thema von Ansprechpartnern aus den Wirtschaftsverb├Ąnden oder der Kammern gezielt in den Fokus der Eltern, aber auch Lehrer r├╝ckt.

BEHLKE: Das kann ich nur unterst├╝tzen. Vor allem den Eltern muss auch verdeutlich werden, dass ihre Kinder ├╝ber den Weg der Dualen Ausbildung beispielsweise viel fr├╝her Geld verdienen und ihren Altersgenossen mit Mitte oder Ende 20 finanziell weit voraus sind.

Greipel-Bickel: Das schlie├čt nat├╝rlich nicht aus, irgendwo auf dem Weg ├╝ber weitere qualifizierende Abschl├╝sse auch ein Abitur zu machen. Oder nach dem Abitur eine Duale Ausbildung aufzunehmen. Aber Sie haben recht, auch ein Studium garantiert sp├Ąter noch lange kein hohes Einkommen.

Wenn so wenige junge Leute eine klassische Ausbildung aufnehmen und lieber Abitur machen, hei├čt das doch, dass Ausbildung f├╝r sie weniger attraktiv ist. Ein Imageproblem?

Behlke: Nicht unbedingt, vielmehr wird die andere Seite zu stark gewichtet. Nur ein Abitur mit anschlie├čendem Studium gilt offenbar als der richtige Weg, der letztendlich zu Wohlstand f├╝hrt.

GREIPEL-BICKEL: Und das hat etwas mit der "Wei├če Kragen Mentalit├Ąt" zu tu. Sich die H├Ąnde schmutzig zu machen, sie zu etwas zu gebrauchen - da m├╝ssen wir sicherlich eine andere Herangehensweise f├Ârdern.

Herr Behlke, gibt es in dem Bereich der Wirtschaft, den Sie vertreten, denn schon echte Probleme, Ausbildungsstellen zu besetzen?

Behlke: Ja, und zwar besonders aber im Gastgewerbe und vor allem im gewerblich-technischen Bereich.

Was raten Sie denn Firmen?

Behlke: Es muss uns gemeinsam gelingen, die Attraktivit├Ąt Dualer Ausbildung zu st├Ąrken. Dazu muss man sich auch das Ausbildungsmarketing der Firmen anschauen: Wie werden Sch├╝ler angesprochen? Stehen Praktikumspl├Ątze zur Verf├╝gung? Gibt es Kontakt mit Schulen? Wichtig ist, dass die Unternehmen auf diesem Feld noch besser werden. Da gibt es noch viel Potenzial. Manche Firmen gehen allerdings schon mit gutem Beispiel voran. Es gibt beispielsweise ├ťberlegungen, Auszubildende an Schulen als Ausbildungsbotschafter zu Wort kommen zu lassen. Die berichten dann auf Augenh├Âhe von ihren Erfahrungen.

Frau Greippel-Bickel, Gesamtschulen sind also bei Eltern und Sch├╝lern beliebt. Bekommt man bei Ihnen denn einfacher das Abitur als am traditionellen Gymnasim?

GREIPEL-BICKEL: Nein, es gibt das Zentralabitur, das ist f├╝r alle gleich. Bei uns machen ca 40 Prozent eines derzeitigen 10. Jahrgangs sp├Ąter Abitur. Nur, davon hatten 70 Prozent am Ende der Grundschulzeit keine Gymnasialempfehlung. Die Gesamtschule bef├Ąhigt sie also dazu, Abitur nach neun Jahren zu machen. Das ist ein Merkmal der Gesamtschule: Mit Ganztagsschule und gezielter F├Ârderung erfolgreich zu sein, im Gegensatz zum Gymnasium, das ├╝ber die Jahre sich von weniger erfolgreichen Sch├╝lern Jahr f├╝r Jahr trennt. Bei uns macht man nicht "leicht" Abitur, sondern "gezielt".

Wie viele Ihrer Sch├╝ler nehmen denn nach der zehnten Klasse eine klassische Ausbildung auf?

Greipel-Bickel: Von 170 Sch├╝lern einer zehnten Klasse gingen zuletzt 85 in die gymnasiale Oberstufe und nur 28 begannen eine Duale Ausbildung. 53 w├Ąhlten jedoch ein Berufskolleg. Manche haben dabei durchaus ein Ziel vor Augen, f├╝r andere ist es aber auch der erste Anker, noch andere haben sich noch nicht gen├╝gend trotz erheblicher schulischer Bem├╝hungen mit ihrer Zukunft befasst.

BEHLKE: Am Ende der 10 sollten Sch├╝ler wissen, wo ihre Eignungen und Interessen liegen, damit sie sich nicht f├╝r eine falsche Richtung entscheiden und im Nachhinein unzufrieden sind. Was h├Ąufig passiert.

Wie kann man das ├Ąndern?

Greipel-Bickel: Es liegt nicht daran, dass wir keine Berufsorientierung anb├Âten. Die findet ab Jahrgangsstufe 5 pflichtgem├Ą├č statt. Jedes Kind f├╝hrt einen Berufswahlpass ab Klasse 8, dazu gibt es Jobcoaching ab Jahrgangsstufe 9, Berufseinstiegsberater, Paten, die die jungen Auszubildenden begleiten bis zum Ende ihrer Ausbildung. Klassenlehrer- und lehrerinnen und Schulsozialarbeiter in Zusammenarbeit mit anderen Tr├Ągern sind umfassend im Einsatz.

BEHLKE: Die Unternehmen unterst├╝tzen die Berufswahlorientierung durch Schulkooperationen, Berufsfelderkundungen und durch das Angebot von Praktika.

Greipel-Bickel: Ja, diese Kurzpraktika bei einem unserer schulischen Partner an der Gesamtschule Elsen sind im Jobcoaching enthalten. Dreiw├Âchige Praktika werden von allen Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern durchgef├╝hrt.

Da kann man sicher als Schule nicht genug Partner haben, oder?

GREIPEL-BICKEL: Das ist richtig. Man muss das allerdings auch leisten k├Ânnen. Das ist ein enormes Management. Eine Schule muss viele Felder beackern. Wir als Schule sollten aber auf jeden Fall den Weg gehen, den Sch├╝lern in ihrem Bewusstsein noch mehr Wege zu ├Âffnen. Es muss nicht immer Abitur sein. Sondern das jeweils Richtige.

Behlke: Die Vielfalt der Ausbildungsangebote ist jedenfalls enorm. Im Verantwortungsbereich der IHK im Hochstift bieten die Unternehmen 66 gewerblich technische Ausbildungsberufe und 67 kaufm├Ąnnische an. Dazu kommt der ganze Handwerksbereich und vieles, was ├╝berregional angeboten wird.

Herr Behlke, wie sehr fragen Betriebe solche Partnerschaften denn von sich aus nach?

Behlke: Es haben momentan sehr viele Firmen Interesse bekundet, so dass wir Schwierigkeiten haben, allen eine geeignete Schulkooperation zu vermitteln. Wir haben bei der IHK einen Projektleiter f├╝r das Thema, der sich darum k├╝mmert, Partner zusammenzubringen.


J├╝rgen Behlke, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen
f├╝r den Bereich Paderborn und H├Âxter und Annegret Greipel-Bickel, Leiterin der Gesamtschule Elsen

┬ę 2015 Neue Westf├Ąlische 32 - Paderborn (Kreis), Samstag/Sonntag 07./08. Februar 2015,
Foto: Hans-Hermann Igges

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