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 LOKALARTIKEL
22.02. 2002
„Bisher hats keiner getan!“

 

„Be smart – don’t start“: Klasse 6 c der Gesamtschule Elsen seit November „rauchfrei“


  
Paderborn-Elsen. "Jeden Freitag fragt uns Herr Brune, ob jemand geraucht hat", erklärt Jacqueline das Procedere. Und? Habt Ihr? "Bislang hats keiner getan", sagt Jacqueline. Na, mal ehrlich!!! "Nein, wirklich nicht. In unserer Klasse herrscht Vertrauen", stellt Fehime klar. Nach vier rauchfreien Monaten hat die Klasse 6 c der Gesamtschule Elsen gute Chancen, die Bedingungen des europaweiten Wettbewerbs "Be smart - don't start" zu erfüllen.

Die zwölf- bis 13-jährigen Schülerinnen und Schüler haben sich Anfang November vergangenen Jahres verpflichtet, ein halbes Jahr lang die Finger vom Glimmstengel zu lassen. "Das ist kein Problem", mag man angesichts des zarten Alters der Sechstklässler denken. Doch weit gefehlt. "Ich kenne Kinder aus den 6. Klassen, die rauchen", berichtet Fehime. Und schon schnellen einige Arme in die Höhe. David hat "viele Kumpel" im Alter von 13 bis 14 Jahren, die regelmäßig Zigaretten konsumieren. Auch Manuel hat "qualmende" Freunde in 5. und 6. Klassen, und Phillip erzählt, dass in seiner Grundschulzeit sogar schon Kinder aus der 2. und 3. Klasse geraucht haben.

"Ganz blöd ist es immer, wenn meine Kumpel sagen, dass ich doch eine mitrauchen soll. Dann denke ich mir immer Ausreden aus. Zum Beispiel, dass ich nach Hause muss", erzählt David. Dieses Gefühl kennen viele seiner Klassenkameraden. Zum Beispiel Matthias, dessen Freund ihm immer mal wieder eine Zigarette anbietet. Oder Helena, der von den Freundinnen der großen Schwester schon mal die Zigarettenschachtel vor die Nase gehalten wird. Da ist es dann nicht immer leicht, gerade heraus dankend abzulehnen - auch wenn man um "Raucherbeine", "Suchtgefahr", "gelbe Zähne", "ekligen Gestank" und "das große Geld", das die Zigarettenfirmen mit dem blauen Dunst verdienen, genau weiß.

Genau hier setzt das Projekt an: Es will Kinder und Jugendliche darin bestärken, erst gar nicht zuzugreifen, sondern "nein" zu sagen. "Selbstbewusste Kinder haben den Mut zum Nein-Sagen, wenn sie zum Rauchen aufgefordert werden", will auch Klassenlehrerin Sabine Weiß ihren Schülern mit der Wettbewerbsteilnahme den Rücken stärken. Und sie ist überzeugt, dass dieses Projekt ihren Schülern das Ablehnen bereits schon jetzt leichter macht. "Ja", räumt Matthias nach einer kleinen Denkpause ein, "mir hilft das beim Nein-Sagen".

Auf die erfolgreichen Klassen warten lukrative Preise

Wenn bis zum Projektende am 26. April doch noch jemand schwach werden sollte - wonach es in der 6 c momentan allerdings gar nicht aussieht -, dann wird er (oder sie) von den Mitschülern vermutlich bekehrt. "Ich würde ihn erstmal ansprechen. Und wenn’s bei einer Zigarette bleibt, würde ich ihn auch nicht verpetzen", meint Phillip. "Verraten find' ich auch nicht gut", stimmte Jacqueline ihm zu. Michel wäre da schon etwas rigoroser: "Den müsste man verraten. Schließlich wollen wir den Wettbewerb gewinnen", erinnert er seine Mitschüler an die ausgelobten Preise: Neben einer Klassenfahrt als "Europapreis" werden im Kreis Paderborn unter allen teilnehmenden, rauchfreien Klassen zehn Geldpreise zwischen 50 und 500 Euro für die Klassenkasse verlost.

Die Konkurrenz für die 6c ist groß: Von den 69 Klassen der Jahrgangsstufen sechs bis acht mit 1.763 "smarten" Schülerinnen und Schülern, die im Herbst mit dem Wettbewerb starteten, sind derzeit noch 63 Klassen mit 1.607 Schülern im Rennen. Eine Aussteigerquote von nichtmals zehn Prozent. "Das ist eine gute Hausnummer", freut sich Heinz Picht, Pressesprecher der AOK Westfalen-Lippe, Regionaldirektorin Paderborn-Höxter, über diese erfreuliche Zwischenbilanz. Im Kreis Höxter ist bislang sogar nur eine von 49 Klassen schwach geworden. Ein Sonderpreis winkt übrigens denjenigen Klassen, die sich im Rahmen einer Sonderaktion mit dem Thema Rauchen auseinandersetzen. Die AOK, Hauptinitiator des Projekts, nimmt diesbezüglich noch Bewerbungen an.

Gute Aussichten, um auch in Zukunft rauchfrei zu bleiben

Die Pädagogen Wolfgang Brune und Sabine Weiß haben mit ihrer 6 c bereits über eine Teilnahme für das nächste Jahr gesprochen. "Als wir im November gestartet sind, hat in dieser Klasse noch niemand regelmäßig geraucht. Wenn wir das Projekt weiterführen, sind unsere Schüler hoffentlich so gestärkt, dass sie auch später nicht mit dem Rauchen anfangen", hofft Brune. Die Statistiken geben ihm Recht. Zum Einen liegt das Einstiegsalter von Rauchern zwischen zwölf und 13 Jahren. Zum Anderen zeigen Analysen der Wettbewerbe aus vergangenen Jahren, dass teilnehmende Schüler gute Aussichten haben, auch weiterhin rauchfrei zu bleiben. So wie Michel oder Jacqueline schon jetzt: "Wir haben mit Rauchen nichts am Hut."

VON SABINE KAUKE