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  Projekte >> 70 Jahre Monte Scherbelino Paderborn

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Vergißmeinnicht – Zuviel Gras über der Geschichte?
70 Jahre Monte Scherbelino Paderborn
Ein Projekt zur Ambivalenz von Erinnerungskultur im Rahmen des Schüleraustausches zwischen dem Ersten Gymnasium Sarajevo und der Gesamtschule Paderborn-Elsen (gefördert durch die Stadt Paderborn und den PAD, Pädagogischer Austauschdienst)

Kriegserfahrungen sind kulturübergreifend. Die Stadt Sarajevo ist durch die dreijährige Belagerungszeit von 1992 bis 1995 stark zerstört worden, unter den Augen der Weltöffentlichkeit sind hier 11500 Menschen (darunter etwa 1600 Kinder) gestorben. Die Menschen möchten nach vorn blicken ohne den Krieg zu vergessen. Die Stadt Paderborn ist wie viele Städte Deutschlands zur Beendigung des zweiten Weltkrieges bombardiert worden. Das hat in der Folge Menschen befreit, aber auch zu unschuldigen Opfern geführt und sicher auch Täter zu Opfern gemacht. Seit der Nachkriegszeit hat auch Paderborn einen sog. "Monte Scherbelino", manche Städte haben auf ihren Scherbenbergen die Möglichkeit des Erinnerns geschaffen, in der Stadt Paderborn ist der Berg heute eher ein Naherholungsgebiet und die jüngere Generation weiß nicht, dass der Scherbenhaufen 80 Prozent der „alten Stadt“ verbirgt. Das sollte sich im Rahmen des projektorientierten Schüleraustausches ändern!

Krieg kann nicht „einfach“ vergessen werden. Ein Bemühen darum ist phasenweise verständlich, verlagert die Konsequenzen aber eher und macht sie, langfristig gesehen, wahrscheinlich noch zentraler.
Ein jüdisches Sprichwort sagt: Das Vergessenwollen verlängert das Exil, der Schlüssel zur Erlösung liegt in der Erinnerung.
In der Konfrontation mit der Erinnerung geht es dann natürlich um den Blick nach vorn, vorher aber erscheint ein Nachdenken über folgende Aspekte zentral: Welche Rolle spielen alltägliche Vorurteile und Diskriminierung bei der Entstehung von Konflikten? Warum ist es so wichtig, als Individuum Mensch frühzeitig eine eigene Position zu den Formen friedfertigen Miteinanders -nicht nur in Europa- zu beziehen? Diesen und vielen weiteren Fragen sind die bosnischen und deutschen SchülerInnen der Oberstufe gemeinsam nachgegangen.

Die Partnerschaft der beiden Schulen ist durch kollegiale Kontakte bereits in den Zeiten des Bürgerkrieges 1995 entstanden.
Vom 28.10. bis 06.11.2014 lebten zwölf SchülerInnen der Gesamtschule Paderborn-Elsen in bosnischen Gastfamilien und konnten sich so vom kontrastreichen Leben in der Stadt Sarajevo und dem Land Bosnien und Herzegowina einen unmittelbaren Eindruck machen. Die Stadt fasziniert mit westlicher Orientierung und geschichtlich gewachsenen, unterschiedlichen ethnischen Prägungen und Identitäten.
Sie haben Ideen entwickelt und erprobt, wie im Rahmen des Gegenbesuchs vom 21.04 bis 30.04.2015 kulturübergreifende Kriegserfahrungen im Rahmen regionaler Erinnerungskultur thematisiert und umgesetzt werden können. In Sarajevo sind die Kriegsruinen im Stadtbild noch ebenso Realität wie die alltägliche Begegnung mit Zeitzeugen des Krieges. Eine ungefähre Vorstellung des Wahnsinns kriegerischer Zeiten rückt entsprechend näher…, und eine größere Wertschätzung eines friedvollen Miteinanders erfährt eine neue Bedeutung.

Die Zerstörung der Stadt Paderborn im Verlauf der Bombardierungen zur Beendigung des zweiten Weltkrieges ist nun 70 Jahre her und für uns und unsere SchülerInnen schon viel mehr Geschichte. Wer weiß noch, dass der Monte Scherblino eine Konsequenz des Zweiten Weltkrieges ist und nicht schon immer ein Aussichtspunkt war? Wozu können solche Trümmerteile noch verwendet werden? Im Rahmen des Projektaustausches soll Paderborns Monte Scherbelino, der jetzt eher einen „Naherholungstrümmerberg" darstellt, Bestandteil regionaler Erinnerungskultur ohne politische Instrumentalisierung werden. Dazu werden während des Projektes „Zuviel Gras über der Geschichte?“ geeignete künstlerische Eingriffe in den öffentlichen Raum erarbeitet. Geeignet sind Konzepte, welche eine einseitige Perspektive vermeiden.

70 Jahre nach Kriegsende stellen sich SchülerInnen die Fragen, „Wie ist jemand Täter geworden? Wie Opfer?“ Sie entwickeln im Rahmen des Themenfeldes multiperspektivische Projektideen und initiieren oder realisieren dazu Möglichkeiten der Erinnerungskultur.

Realisiert wurde ein 14m langer Betonschriftzug „Vergißmeinnicht“ umgeben von knapp 2000 Vergissmeinnichtpflanzen im Unendlichkeitszeichen. Der Monte spricht jetzt „VERGESSTMICHNICHT“, vegesst meinen Ursprung vor 70 Jahren nicht. Der künstlerische Eingriff irritiert und gibt Anstoß zur Auseinandersetzung. Eine installierte Gedenktafel liefert die notwendigen Sachinformationen.
Der Betonschriftzug im Unendlichkeitszeichen auf dem Monte Scherbelino Padeborn
Zur Übergabeveranstaltung haben u. a. die Schüler des DG-Kurses der Jgst. 7 im Zeitraffer ihre Vorstellungen vom Erleben der Bombardierung der Stadt Paderborn und dem Menschsein in Kriegszeiten verarbeitet und dargestellt.
Die Projektergebnisse wurden zur Zeit des Gegenbesuchs dem 28.04.2015 öffentlich präsentiert und übergeben: „Nezaboravak/Vergissmeinnicht“.
Folgende Ideen für künstlerische Eingriffe auf dem Monte Scherbelino im öffentlichen Raum wurden entwickelt und könnten auch überregional als Impuls gelten:
Unter Verwendung gefundener Trümmer eine „Schutzzone“/ eine Behausung in Form eines Iglus bauen
Auf dem höchsten Punkt des Monte Scherbelinos eine „Friedenssäule“ errichten
Eine Infotafel mit Sachinformationen zur Entstehung des Monte Scherbelinos aufstellen (Zeitzeugeninterviews, Infos und Material aus dem Stadtarchiv)
Ein Feld mit „Vergissmeinnicht“ anlegen
Eine Grabung, welche Einblick gibt und Teile eines Gehwegs kreuzt, offen lassen und sichern, mit Panzerglas abdecken und begehbar machen
Betonbuchstaben richten sich aus einer Grabungsstelle heraus auf und schreiben das Wort „Vergissmeinnicht“
Markierung der Raumwege/der alten Bahnstrecke zum Anfahren und Abladen der Trümmer der alten Stadt mit Blick auf die Stadt heute
Schüler des DG-Kurses der Jgst. 7
Kreative und provozierende Lösungen bedürfen dabei eher einer Öffentlichkeit als unverfängliche. Der Blick unter die Oberfläche, auch wenn er eine Ästhetik des Unschönen offenbart, ist in einer Kultur der Erinnerung unbedingt notwendig. Es ist spürbar, dass negative Erfahrungen tendenziell vergessen und verdrängt werden. Verantwortungsvolle Erinnerungsstrukturen dürfen den Blick auf die vermeintliche Wirklichkeit nicht verstellen – gerade im Bewusstsein einer in diesem Kontext naturgemäß schrumpfenden Zahl von Zeitzeugen. Das kann zugleich einen Beitrag leisten, Gegenwart positiver wahrzunehmen und beitragen zur Basis für einen positiven Ausblick in die Zukunft.

Die SchülerInnen haben das Thema "Zuviel Gras über der Geschichte" in drei Phasen umgesetzt:

1. Phase: Recherchen zur Historie von Kriegshandlungen in der eigenen Region In der Projektphase geht es ferner um ein Kennenlernen sozialkritscher künstlerischer Konzeptionen, dabei erarbeiten die SchülerInnen in Partnerarbeit die sozialkritischen Aspekte im Werk von Ed und Nancy Kienholz. Das Werk "The Portable War Memorial" wird exemplarisch analysiert. Die Arbeitsweise des zeitgenössischen Künstlers Ai Weiwei wird thematisiert und die Verletzung von Menschenrechten gegen seine Person herausgearbeitet. Die Projektidee wirkt damit über die Kerngruppe der 24 ProjektteilnehmerInnen schon in die Schulöffentlichkeiten hinein.

2. Phase: Durchführung, Umsetzung ausgewählter Ideen, möglichst mit Unterstützung; Für die Phase der Durchführung werden Arbeitsgruppen gebildet, welche sich für einen Schwerpunkt/eine Idee oder Aktion entscheiden

3. Phase: Präsentation der Ergebnisse für die Öffentlichkeit
im Entstehungsprozess ...


70 Jahre Frieden


Schriftzug aus den Trümmern des Monte Scherbelinos in Paderborn aufstehend
 
Weiterführende Links
>> Das Programm der Eröffnung >> Presseartikel Neue Westfälische
>> Redeauszüge der Schulleitung A. Greipel-Bickel >> Presseartikel Westfalenblatt
>> Eröffnungsrede von Frank Dunschen >> Dankesschreiben vom Bundeskanzleramt
>> Die Gedenktafel  
 
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