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  Projekte >> Fremde werden Freunde - SchĂĽleraustausch der Gesamtschule Elsen mit dem Ersten Gymnasium in Sarajevo

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Fremde werden Freunde während des projektorientierten Schüleraustausches der Gesamtschule Elsen
„Sehnsuchtsort Refugium“
Wer keine Heimat hat wird oft diskriminiert. Elsener Gesamtschüler sind während des Opferfestes Kurban Bayram zum Schüleraustausch mit dem Ersten Gymnasium in Sarajevo. Sie erarbeiten – im Rahmen eines Projektes gefördert durch die „europeans for peace“ der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ) - Kunstperformances und irritierende Aktionen zum Verlust von Heim und Heimat früher und heute, sie beleuchten in diesem Kontext ferner Heimatlosigkeit und entsprechende Diskriminierung am Beispiel der Sinti und Roma.

Wer eine Reise plant, hat einen Sehnsuchtsort im Kopf. Die Sehnsucht nach Sesshaftigkeit und Schutz -einem Refugium- ist weniger frei gewählt, -eher Schicksal?!

Heimatlosigkeit ist ein sehr aktuelles Thema. Kein Tag ohne Berichte von Flucht und Vertreibung. Wer mit Heimatlosigkeit konfrontiert ist, ist auf der Suche und sehnt sich nach einem Refugium, einem Rückzugsort als Bestandteil der Privatsphäre und Identität. Diese Sehnsucht besteht, oft haben Betroffene zusätzlich mit Diskriminierung gerade durch den Verlust/das Nichtvorhandensein des „Zuhauses“ zu kämpfen. Ein Kreislauf der meistens schwer zu durchbrechen ist. Einen Mitmenschen nicht zu diskriminieren ist dabei wohl ein sehr wichtiger Schritt auf der Seite aller privilegierten „Nichtbetroffenen“ („Heimbesitzenden“).

Vom 13.09.2016-22.09.2016 lebten SchülerInnen der Gesamtschule Paderborn-Elsen in bosnischen Gastfamilien und konnten sich so einen sehr unmittelbaren Eindruck machen vom kontrastreichen Leben in der Stadt Sarajevo heute. Ihre Erfahrungen durch den Kontakt mit gleichaltrigen, vorwiegend bosnischen Muslimen beschreibt die Schülerin Berenike Wibbe mit folgenden Worten: „Ich würde jedem raten eine Reise nach Sarajevo zu machen, denn man verliebt sich in die Stadt, die Berge, die Leute und das Essen“. Eine besondere Erfahrung war auch das Kurban Bayram, das Opferfest als höchstes islamisches Fest, welches sich über mehrere Tage erstreckt. Die Stadt fasziniert heute mit westlicher Orientierung und geschichtlich gewachsenen unterschiedlichen ethnischen Prägungen und Identitäten -lebendiger Pluralismus. Heute mit einem anständigen Maß an Toleranz.

Schnell geht es mit dem Flugzeug von Köln zum internationalen Flughafen nach Sarajevo wo im April 1992 die Belagerung der Stadt begann, welche erst im Februar 1996 nach der Tötung von etwa 11500 Menschen verschiedener Ethnien (darunter 1600 Kindern) endete. Lang dauert der Prozess, zu begreifen, was auf dem nahen Balkan unter den Augen der Weltöffentlichkeit geschehen ist. Menschenrechtsverletzungen sind während kriegerischer Auseinandersetzungen eher die Regel. „Ihr interessiert euch vielleicht nicht für den Krieg! Aber der Krieg interessiert sich für euch“. (Leo Trotzki)

Kriegserfahrungen sind kulturübergreifend in Sarajevo sind die Kriegsruinen im Bild der Stadt allerdings noch ebenso Realität wie die alltägliche Begegnung mit Zeitzeugen des Krieges und der anschließenden Heimatlosigkeit. Der Wahnsinn rückt entsprechend näher…, friedvolles Miteinander wird plötzlich wahrgenommen und erfährt eine ganz neue Bedeutung. In den gastgebenden Familien treffen die SchülerInnen vielfach auf Zeitzeugen von Flucht und Vertreibung und berichten von intensiven Gesprächen.

Menschen der Volksgruppe der Sinti und Roma leben verstreut und vielfach ohne Staatsangehörigkeit in ganz Europa, oft allein schon durch den staatenlosen Status diskriminiert und hinsichtlich individueller Aufstiegschancen benachteiligt. Im Stadtbild Sarajevos sind sie vielfach bettelnd in Randpositionen recht präsent. Innerhalb der aktuellen Flüchtlingsströme werden sie zumeist als Wirtschaftsflüchtlinge klassifiziert und „rückgeführt“.

Inwiefern führen Vorurteile häufig zu Diskriminierung? Warum ist es so wichtig, als Individuum Mensch so frühzeitig eine eigene Position zu Formen friedfertigen Miteinanders zu beziehen? Diesen und vielen weiteren Fragen sind die bosnischen und deutschen SchülerInnen der Oberstufe gemeinsam nachgegangen, sie haben im Rahmen des Austausches themenorientiert Kunstperformances und Aktionen geplant, durchgeführt und unterschiedliche Reaktionen angestoßen.
Impressionen zu dem was bisher entstanden ist:

Sarajevo-Paderborn, eine Wandmalerei im öffentlichen Raum
Ein Schriftzug mit unterschiedlichen Fragestellungen
Ein Schriftzug mit unterschiedlichen Fragestellungen
Neira aus Sarajevo: My project was to build a shelter which would symbolize the lack of privacy and bad living conditions of the Roman population. The shelter was finished within a day and we took some photos that represent basic human activities the Roman population cannot do.
Mit Tanzsäcken auf der Suche nach einer Symbolsprache
Begleitet und unterstützt wurden die SchülerInnen dabei von den bosnischen Kollegen Kunstlehrer Oskar Prebanic und Deutschlehrerin Sanela Omeragic und Lehrern der Gesamtschule Elsen, Anne Vielberg-Martini, Frank Dunschen und dem Paderborner Bildhauer Manfred Webel. Angeregt durch seine Ideen wurden vor berühmter Kulisse in der Stadt Mostar „walking acts“ der Gesamtgruppe entwickelt und erprobt. Die SchülerInnen kreisten dabei um die Themen Vorurteile, Ausgrenzung Diskriminierung und Gemeinschaft – auch vor dem Eindruck des Besuches in Srebrenica am Vortag.
Einsatzort roter Taschen in der Nähe der berühmten Brücke Stari Most, ein Wahrzeichen der Stadt und Symbol für die Verbindung zwischen Ost und West
Die beschriebenen Zwischenergebnisse sind derzeit im Oberstufengebäude (E) der Gesamtschule Elsen umfangreicher dokumentiert.

Das Projekt „Sehnsuchtsort Refugium“ wird ab dem 25.04.2017 für 10 Tage in Deutschland, vorwiegend Paderborn fortgeführt. Die Ergebnisse des Projektes werden zur Zeit des Gegenbesuchs in der Gesamtschule Paderborn-Elsen mit einem Blick auf die Thematik hier ergänzt und anschließend der Öffentlichkeit präsentiert, eine Auswahl entstandenen Materials ist dann auf der Internetseite der Gesamtschule Elsen und der Stiftung „evz/europeans for peace“ online gestellt. Diskriminierung: Augen auf! Mensch sei Mensch.
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